Validation

Das Seniorenhaus Seekirchen am Wallersee schult seine Mitarbeiter*innen speziell zum Thema: 

Menschen mit Demenz besser verstehen, mit ihnen in Kontakt kommen und auch bei Fortschreiten und Veränderungen des Verhaltens in Kontakt zu bleiben.
Sie lernen, mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Respekt gelingend zu kommunizieren.  Brücken in die Welt der Demenz – Validation im Alltag, ist die Grundlage dieser Schulungen; hier ein kleiner Einblick in die Methode Validation nach Naomi Feil. 

Wir bitten unsere Angehörigen, bei Fragen zu dieser Thematik, sich an uns zu wenden. 


Symbolbild ValidationPetra Fercher – Trainerin und Masterin in Validation nach Naomi Feil

Das hohe Alter ist einer der Hauptindikatoren für eine Demenzerkrankung, was die demographische Situation, zu einer weitreichenden gesellschaftlichen Situation werden lässt. Wir werden wohl nicht alle die gleichen Krankheiten bekommen, aber mit Sicherheit werden wir, wenn wir nicht in jungen Jahren sterben, ALLE alt!  

Wir sollten uns vielleicht mehr Gedanken machen, wie es ist alt zu werden, wie wir uns persönlich auf das Altern vorbereiten wollen – und wollen wir das überhaupt? Ich habe den Eindruck, dass es in vielerlei Hinsicht immer schwieriger wird, das Altern anzunehmen, weil wir jung, gesund und fit sein wollen – und das am besten bis ins sehr hohe Alter. Da wir tatsächlich viele Möglichkeiten haben, uns gesund, fit und schön zu halten, drängt sich irgendwann - meist so um die Lebensmitte die Frage auf, wie wird das mit meinem Geist? Ich werde jetzt häufiger von Menschen um die 50 gefragt: „Wie ist das mit der Demenz? Wann und wie fängt das an, ich vergesse schon so viel…“! Ich frage dann, ob es, wenn sie weniger Stress haben auch so ist und ob sie sich später daran erinnern, was ihnen gerade nicht eingefallen ist. Da das meistens auch so ist, atmen sie erleichtert auf.  

Zu einer Demenz gehört wohl mehr, als ein bisschen Vergessen in dieser schnelllebigen Zeit!  Wie auch immer, in der Gesellschaft herrscht offenbar große Angst,- vor dem Wort Demenz, der Krankheit Demenz und dem Zustand der Demenz, mit allem was sich jeder so darunter vorstellt. Ich denke, mittlerweile möchten nicht mehr allzu viele Menschen „sehr“ alt werden und wenn, dann mit dem Nachsatz: „…nur wenn ich körperlich und vor allem geistig fit bin…“!  

Doch es ist nun mal ein Fakt, dass nicht nur die Zahlen einen rasanten Anstieg der Diagnosen von Demenz bestätigen, noch viel mehr zeigt sich das in Familien, die sich oft Jahre lang mit veränderten Verhaltensweisen ihrer Liebsten herumschlagen, verzweifeln und ausbrennen, bis sie überhaupt zu einer Diagnose oder Bestätigung ihrer alltäglichen Wahrnehmungen kommen.

Wie eine Gesellschaft in Zukunft also auf das hohe Alter und die wachsende Zahl von Menschen mit Demenz reagiert und agiert, wird nicht zuletzt von jenen mit getragen, die in der täglichen Praxis stehen, die sich Wissen aneignen und durch ihre langjährigen Erfahrungen gangbare Wege einschlagen und diese mutig nach außen tragen. Es macht Sinn, schon heute offen darüber zu reden, damit sich Ängste, Unsicherheiten und Scham, die dieser Thematik vorauseilen, in Zukunft nicht noch mehr in Stigmatisierung festfahren.

Multiprofessionelles Zusammenarbeiten, spezielle Fortbildungskonzepte und die Unterstützung von Angehörigen sind unumgänglich, um betroffenen Menschen ein würdevolles Altern und Leben bis zuletzt zu ermöglichen und den oft mühsamen und Kräfte raubenden Alltag anders zu meistern. Allgemein setzt jedoch jede Form von Diagnostik, Pflege, Therapie und Betreuung immer eine gelingende Kommunikation und den Zugang zum Menschen voraus. Das dient nicht nur der Verständigung, sondern hilft vor allem dabei, für alles weitere Vertrauen aufzubauen.  

Validation nach Naomi Feil ist in Österreich seit Ende der 1980 Jahre eine der wichtigsten und erfolgreichsten Instrumente im Umgang mit mangelhaft orientierten und desorientierten alten Menschen. Die Methode zum besseren Verständnis von Verhaltensweisen und zur respektvollen, einfühlsamen Kommunikation ist ein Weg, um den immer höheren Anforderungen im geriatrischen Bereich besser begegnen zu können.  

Zu Beginn einer Fortbildung in Validation, sind die meist genannten Erwartungshaltungen von Teilnehmern aus unterschiedlichen Berufsgruppen, dass sie die oft so seltsamen Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz besser verstehen wollen und sie erwarten sich weiter, den schwierigen Situationen im Praxisalltag besser begegnen zu können.  

Die Bedeutung von Validation

Naomi Feil hat als letzte Lebensaufgabe definiert: „Die Vergangenheit aufarbeiten, statt dem völligen Rückzug in eine innere Welt“. In langjähriger Praxis mit Validation habe auch ich die Erfahrung gemacht, wenn man gelernt hat gelingend zu kommunizieren, dass man dann mit desorientierten alten Menschen bis zu ihrem Tod in Kontakt bleiben kann.  

Validation bedeutet anerkennen, bestätigen, Gültigkeit. Jemanden zu validieren bedeutet also, die Person und das was die Person zeigt oder sagt für gültig zu erklären. Validationsanwender anerkennen die Gefühls-, Bedürfnis- und Erlebniswelt alter Menschen mit mangelhafter Orientierung oder Desorientierung ohne sie zu bewerten und zu beurteilen.  

Validation muss gut gelernt werden, es erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen (Empathie), um in die innere Welt der alten Person einzusteigen.  

Einfühlungsvermögen schafft Vertrauen, Vertrauen schafft Sicherheit, Sicherheit schafft Stärke, und Stärke stellt das Selbstwertgefühl wieder her und letztlich wird durch Selbstwertgefühl Stress verringert. Validationsanwender fangen die Signale des alten Menschen auf und kleiden diese in Worte. So validieren sie die Gefühle und Bedürfnisse und versuchen die Würde der Person zu erhalten. Manche sehr alte Menschen mit Demenz ziehen sich nicht mehr in die Vergangenheit zurück, wenn sie sich in der Gegenwart als stark, anerkannt und nützlich erfahren. Andere bleiben lieber in der Vergangenheit.  

Es gibt kein Rezept oder eine Universalformel. Doch alle fühlen sich glücklicher, wenn sie anerkannt werden. (Feil, De-Klerk-Rubin 2011) Mit der Grundhaltung und Theorie von Validation ist es leichter, das für die Betreuenden oft seltsame Verhalten von Menschen mit Demenz besser zu verstehen und einzuschätzen. Erst dann kann man mit spezifischen verbalen und nonverbalen Techniken, gezielt darauf eingehen und letztlich anders als bisher damit umgehen.  

Validation akzeptiert den Menschen so wie er ist. Die Gefühle und die innere Erlebniswelt von verwirrten alten Menschen werden respektiert und ernst genommen. Wir spielen nicht einfach mit, wie vielfach geglaubt wird. Das was der Mensch vorgibt und zeigt, wird verbal oder nonverbal sehr einfühlsam begleitet und ist grundsätzlich gültig. Diese Menschen in ihrer eigenen Welt zu erreichen und sie nicht nach richtig oder falsch bewerten und zu beurteilen, ist die Kunst der Validation.  

Petra Fercher 

Masterin und Trainerin für Validation nach Naomi Feil
Systemisches Coaching, Angehörigenberaterin, Fortbildnerin

Literatur und Quellen

  • Fercher, Sramek – Brücken in die Welt der Demenz-Validation im Alltag, 3.Auflage 2018 Reinhardt Verlag: ISBN 978-3-497-02841-2
  • Petra Fercher – Validation, ein Arbeitsbuch für die Basisschulung nach Naomi Feil, 1. Auflage 2023 – Trauner Verlag Linz ISBN: 978-3-99151-079-6
  • NEU: Petra Fercher – Hörbuch in eigener Produktion, Brücken in die Welt der Demenz,  DUAL-USB Stick (auch für Handy), erhältlich unter www.validation.or.at